Hexenverfolgung in Neuss

Der Trierer Hexentanz, Kupferstich, Erfurt 1594 (Hessisches Staatsarchiv Darmstadt)

 

Unter dem Titel "Magie - Gerüchte - Machtkampf" hat das Stadtarchiv Neuss jetzt eine umfassende wissenschaftliche Studie zur Geschichte der Hexenverfolgung in Neuss herausgegeben. Die Publikation ist Ergebnis der vom Kulturausschuss beschlossenen historischen Aufarbeitung dieser Verfolgung Unschuldiger in der Frühen Neuzeit. Autorin ist die Neusser Historikerin Alexandra Kohlhöfer.

 

Der Glaube an Magie, Schadenszauber und Teufelspakte war in der Gedankenwelt der Menschen in der Frühen Neuzeit tief verwurzelt. Tausende Frauen und Männer wurden von ihren Mitmenschen der Zauberei beschuldigt, gefoltert, verurteilt und hingerichtet. Das Interesse der Öffentlichkeit, Ursachen, Verlauf und Mechanismen hinter diesen Verfolgungen zu ergründen, ist auch heute noch ungebrochen. Nach einem Antrag auf Rehabilitierung der Opfer hat sich seit 2012 auch Politik und Öffentlichkeit in Neuss intensiv mit dem Thema beschäftigt. Der Kulturausschuss beschloss eine „lückenlose historische Aufarbeitung der Hexenverfolgung in Neuss". Diese wird nun vom Stadtarchiv als Band 20 der Schriftenreihe vorgelegt.

 

Die Stadt Neuss blieb zwar von den großen Verfolgungswellen des 16. und 17. Jahrhunderts verschont, gleichwohl lassen sich anhand der Quellen einige Fälle der Hexenverfolgung nachweisen. Im Stadtarchiv Neuss sind die Prozesse gegen Hester Meurer, geb. Jonas, und Catharina Halffmans sehr gut überliefert. Erstmals werden sie im vorliegenden Band im Kontext einer Gesamtdarstellung der Geschichte der Hexenverfolgung in Neuss analysiert. Dabei untersucht Alexandra Kohlhöfer die Verfolgung von Hester Meurer vor allem als exemplarischen Fall hinsichtlich der sozialen Ursachen, der rechtlichen Rahmenbedingungen und des Prozessverlaufs. Am Prozess gegen Catharina Halffmans wird dagegen die politische Instrumentalisierung des Prozesses im Machtkampf um die Ausübung der Blutgerichtsbarkeit zwischen der selbstbewussten Stadt Neuss und ihrem kurkölnischen Landesherren verdeutlicht.

 

Der Band „Magie – Gerüchte – Machtkampf. Hexenverfolgung in der kurkölnischen Stadt Neuss" schließt damit eine Lücke in der Neusser Geschichtsschreibung zur vormodernen Ausgrenzung und Verfolgung von städtischen Minderheiten. Mit der Edition eines großen Teils der Prozessdokumente im Anhang, werden diese anschaulichen Quellen zur Hexenverfolgung in Neuss erstmals der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

Das Buch ist ab 7. Dezember 2017 zum Preis von 16,80 Euro im Stadtarchiv Neuss, in der Touristinformation am Büchel sowie in den Neusser Buchhandlungen erhältlich.

 

Der Quellenanhang wird auf der Website des Stadtarchivs veröffentlicht, das Buch außerdem allen weiterführenden Schulen in Neuss kostenlos zur Verfügung gestellt.

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