Neue Stolpersteine verlegt

Die Stolpersteine enthalten lediglich die knappen Hinweise auf Namen, Geburtsjahr, Todesjahr und -ort und sollen damit die Passanten gedanklich über ein menschliches Schicksal in ihrer Stadt „stolpern" lassen. Es werden auch Steine für Opfer verlegt, die die nationalsozialistische Gewaltherrschaft überlebten. Das Stadtarchiv ist mit der wissenschaftlichen Begleitung der Verlegungen in Neuss betraut und berät fachlich wie organisatorisch alle am Projekt Interessierten. Folgende Steine wurden am 25. Mai verlegt:

 

Sternstraße 98: für Angehörige der Familie Cohn

Leonhard Cohn (1855-1943), Paula Cohn (1883-1941), Elsa Cohn (1886-1941), Ilse Cohn (geb. 1919)

Der Maler- und Anstreichermeister Leonhard Cohn errichtete 1905 das Haus Sternstraße 98 und lebte dort mit seiner Frau Clothilde (1859-1933) und den vier Kindern. Nach der Pogromnacht zog Cohn Anfang Dezember 1938 zu seinen Töchtern nach Düsseldorf, von wo er 1942 nach Theresienstadt deportiert und 1943 ermordet wurde. Auch seine beiden Töchter Paula Cohn und Elsa Cohn, verh. Levita, erlitten dieses Schicksal, beide wurden 1941 nach Minsk deportiert und ermordet. Ilse Cohn, der Enkelin von Leonhard und Tochter von Paula Cohn, gelang auf abenteuerlichem Weg die Flucht nach Palästina.

 

Kaiser-Friedrich-Straße 132: für Dr. Réne Simons (geb. 1904)

Réne Simons war Sohn des Neusser Kaufmanns Paul Simons und dessen Frau Ida. Beide Eltern wurden im Vernichtungslager Sobibor ermordet, für sie liegen vor dem Haus Kaiser-Friedrich-Straße 132 bereits Stolpersteine. Réne Simons emigrierte 1936 in die Niederlande. 1942 gelang ihm auf abenteuerlichem Weg die Flucht nach Südfrankreich, wo er – mehrfach in Lagern interniert – mit Hilfe französischer Freunde überlebte.

 

Thywissenstraße 26: für Sibilla Kaufmann (1856-1942)

Die betagte Sibilla Kaufmann lebte im Haus Thywissenstraße 26 bis zur Pogromnacht am 9. November 1938, in der sie ihr Vermieter vor einem Übergriff der Nazis schützte. Am nächsten Tag brachte er sie im Kloster Immaculata in Sicherheit. Von dort zog sie 1940 in das jüdische Altersheim in Düsseldorf-Grafenberg. 1942 wurde die 85-jährige Sibilla Kaufmann nach Theresienstadt deportiert und in Treblinka ermordet.

 

Eine Übersicht über alle Stolpersteine in Neuss finden Sie hier.

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